RAM-Preise explodieren: Warum Unternehmen ihre Hardwarestrategie jetzt überdenken sollten

Von 18. August 2026IT-Kosten9 Min. Lesezeit

Hardware war für viele Unternehmen lange ein vergleichsweise gut kalkulierbarer Kostenblock. Ein neuer Arbeitsplatzrechner, zusätzliche Serverkapazität oder eine Speichererweiterung ließen sich planen und budgetieren.

2026 sieht die Situation anders aus. Besonders beim Arbeitsspeicher sind die Preise innerhalb eines Jahres massiv gestiegen. Aktuelle Marktdaten zeigen: DDR5-RAM kostet inzwischen teilweise fast das Fünffache dessen, was Unternehmen noch im Sommer 2025 bezahlt hätten.

Für Unternehmen stellt sich deshalb eine wichtige Frage: Wo ist neue Hardware tatsächlich notwendig – und wo lohnt es sich, bestehende Systeme länger und gezielter zu nutzen?

DDR5-RAM: Preissteigerungen von mehr als 400 Prozent

Wie drastisch die Entwicklung ist, zeigt eine aktuelle Auswertung, über die Golem berichtet. Grundlage sind monatlich erhobene Preise verschiedener Hersteller auf der Vergleichsplattform Geizhals.

Im Durchschnitt liegen die beobachteten DDR5-Preise inzwischen bei 486 Prozent des Preisniveaus von Juli 2025. Besonders betroffen sind Desktop-Systeme mit größeren Speicherkapazitäten. Bei Kits aus zwei 32-GB-Modulen wurden sogar Werte von mehr als 500 Prozent des damaligen Preisniveaus beobachtet.

Auch typische Konfigurationen für Arbeitsplatzrechner sind erheblich teurer geworden:

  • 16 GB DDR5 mit 5.600 MHz: rund 410 Prozent des früheren Preisniveaus
  • 32 GB DDR5 mit 5.600 MHz: rund 436 Prozent
  • 64 GB DDR5 mit 5.600 MHz: rund 464 Prozent

Und eine schnelle Entspannung zeichnet sich bislang nicht ab. Zuletzt haben die beobachteten Preise erneut deutlich angezogen.

Für Unternehmen mit mehreren Dutzend oder Hunderten Arbeitsplätzen kann aus einer vermeintlich kleinen Hardwarekomponente damit schnell ein erheblicher zusätzlicher Kostenfaktor werden.

Auch ältere Speichertechnologien sind betroffen

Die Entwicklung beschränkt sich nicht ausschließlich auf DDR5.

Auch DDR3 und DDR4 haben sich gegenüber Juli 2025 verteuert, wenngleich die Entwicklung dort weniger extrem ausfällt. Laut der ausgewerteten Preisentwicklung bewegen sich diese Speicherarten im Mittel bei rund 201 Prozent des damaligen Niveaus.

Bei SO-DIMM-Modulen, wie sie typischerweise in Notebooks eingesetzt werden, fällt der Anstieg wiederum stärker aus.

Damit betrifft das Problem praktisch die gesamte klassische Arbeitsplatz-IT: Desktop-PCs, Notebooks und je nach Ausstattung auch Server und Workstations.

Warum RAM-Preise für Unternehmen wichtiger sind, als es zunächst klingt

Natürlich besteht ein PC oder Notebook nicht nur aus Arbeitsspeicher. Trotzdem können steigende RAM-Kosten erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten einer Hardwareerneuerung haben.

Besonders deutlich wird das bei leistungsfähigeren Business-Systemen.

CAD-Arbeitsplätze, Engineering-Software, ERP-Anwendungen, Virtualisierung, lokale Datenverarbeitung und zunehmend auch KI-Anwendungen benötigen häufig 32 oder 64 GB Arbeitsspeicher – teilweise deutlich mehr.

Gerade in produzierenden Unternehmen sind solche leistungsfähigen Systeme keine Ausnahme.

Wenn dann beispielsweise 30 Engineering-Arbeitsplätze gleichzeitig erneuert werden sollen, wirkt sich eine Vervielfachung einzelner Komponenten unmittelbar auf das IT-Budget aus.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Hardware wird in Unternehmen selten einzeln beschafft.

Meist gibt es definierte Austauschzyklen. Nach drei, vier oder fünf Jahren werden ganze Gerätegenerationen ersetzt. Solche Standards sind grundsätzlich sinnvoll – sie sollten aber regelmäßig darauf geprüft werden, ob sie technisch und wirtschaftlich noch zur Realität passen.

Muss ein vier Jahre alter Rechner wirklich ersetzt werden?

Genau hier lohnt es sich, bestehende IT-Strategien zu hinterfragen.

Ein fest definierter Hardwarelebenszyklus ist grundsätzlich sinnvoll. Er sorgt für Standardisierung, reduziert Ausfälle und erleichtert Support und Administration.

Trotzdem sollte ein Austauschzyklus kein Selbstzweck sein.

Ein vier Jahre altes Business-Notebook, das technisch einwandfrei funktioniert, alle Sicherheitsanforderungen erfüllt und für den jeweiligen Arbeitsplatz ausreichend Leistung bietet, muss nicht zwangsläufig ersetzt werden, nur weil das ursprünglich einmal so geplant wurde.

Genauso wenig wäre es sinnvoll, eine notwendige Neuanschaffung allein wegen der aktuell hohen Speicherpreise aufzuschieben. Wenn neue Hardware für Sicherheit, Produktivität oder neue Anforderungen benötigt wird, sollte auch investiert werden.

Es geht also nicht darum, Investitionen zu vermeiden. Es geht darum, genauer zu unterscheiden, wo eine Investition tatsächlich einen Mehrwert schafft und wo bestehende Hardware wirtschaftlich sinnvoll weiterbetrieben werden kann.

Entscheidend ist dabei das Wort kontrolliert.

Einfach alte Hardware weiterzubetreiben, bis sie ausfällt, ist keine Strategie. Geräte gezielt zu prüfen, Risiken zu bewerten und anschließend bewusst länger zu betreiben dagegen schon.

Lebensdauer verlängern statt nach Kalender austauschen

Unternehmen können deshalb prüfen, ob sich vorhandene Hardware über den ursprünglich geplanten Austauschzeitpunkt hinaus wirtschaftlich betreiben lässt.

Dazu gehören beispielsweise:

Technischer Zustand: Sind SSD, Lüfter, Netzteile, Akkus und andere Verschleißteile noch in einem guten Zustand?

Leistungsfähigkeit: Reicht die vorhandene CPU- und RAM-Ausstattung weiterhin für die eingesetzten Anwendungen?

Sicherheit: Unterstützt die Hardware weiterhin aktuelle Betriebssysteme, Firmware-Updates und notwendige Sicherheitsfunktionen?

Herstellersupport: Sind Ersatzteile, Firmware und Support weiterhin verfügbar?

Garantie und Service: Kann die bestehende Herstellergarantie oder ein Vor-Ort-Service verlängert werden?

Gerade der letzte Punkt wird angesichts der aktuellen Hardwarepreise interessant.

Garantieverlängerung kann plötzlich die wirtschaftlichere Investition sein

In normalen Marktphasen erscheint eine Garantieverlängerung für ältere Hardware manchmal wenig attraktiv. Warum noch Geld in ein Gerät investieren, das ohnehin bald ersetzt werden soll?

Bei den derzeitigen RAM-Preisen kann sich diese Rechnung verändern.

Angenommen, ein Unternehmen plant den Austausch einer größeren Anzahl von Notebooks oder Workstations. Ein Teil der Geräte funktioniert noch zuverlässig, erfüllt die Leistungsanforderungen und könnte technisch problemlos länger eingesetzt werden.

Dann kann es wirtschaftlich attraktiv sein, Garantie- oder Serviceverträge um zwölf oder 24 Monate zu verlängern, statt diese Geräte allein aufgrund ihres Alters auszutauschen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, darauf zu spekulieren, dass RAM oder komplette Rechner im nächsten Jahr plötzlich wieder deutlich günstiger werden.

Der Vorteil liegt an anderer Stelle: Investitionen werden dort eingesetzt, wo sie tatsächlich notwendig sind.

Kritische oder nicht mehr leistungsfähige Geräte werden ersetzt. Systeme, die ihren Zweck weiterhin zuverlässig erfüllen, bleiben abgesichert im Einsatz. So lässt sich ein Hardwarebudget zielgerichteter einsetzen, anstatt einen kompletten Gerätebestand nach einem starren Stichtag auszutauschen.

Aber: Nicht jede Hardware sollte länger betrieben werden

Eine Verlängerung der Nutzungsdauer ist nicht automatisch die richtige Entscheidung.

Wenn Geräte regelmäßig ausfallen, aktuelle Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen oder Mitarbeiter durch mangelnde Performance ausbremsen, wird vermeintliches Sparen schnell teuer.

Ein Mitarbeiter, der jeden Tag mehrere Minuten auf Anwendungen wartet, kostet über ein Jahr möglicherweise deutlich mehr als ein neuer Rechner.

Dasselbe gilt für Produktionsausfälle oder technische Störungen aufgrund überalterter IT.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten:

„Wie lange können wir unsere Hardware irgendwie noch benutzen?“

Sondern:

„Welche Geräte können wir wirtschaftlich und technisch verantwortbar länger einsetzen – und wo bringt uns eine Investition tatsächlich weiter?“

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Jetzt lohnt sich ein genauer Blick auf den Hardware-Lifecycle

Die aktuelle Entwicklung der RAM-Preise zeigt, warum IT-Beschaffung nicht isoliert betrachtet werden sollte.

Hardware-Lifecycle, Garantie, Serviceverträge, Standardisierung, Performance und Beschaffungszeitpunkt gehören zusammen.

Wer beispielsweise in den kommenden Monaten 50 oder 100 Geräte ersetzen möchte, muss deshalb nicht den gesamten Rollout infrage stellen. Es lohnt sich aber zu prüfen, ob wirklich jedes dieser Geräte ausgetauscht werden muss.

Welche Systeme müssen tatsächlich ersetzt werden? Welche können problemlos länger laufen? Wo lässt sich der Herstellerservice verlängern? Welche Geräte verursachen bereits heute überdurchschnittlich viele Störungen? Und bei welchen Arbeitsplätzen schafft neue Hardware einen echten Produktivitätsgewinn?

Aus einem pauschalen Austauschprojekt wird dadurch eine wirtschaftlich gesteuerte Investitionsentscheidung.

Unser Appell: Investieren, wo es sinnvoll ist – nicht nur, weil der Kalender es sagt

Die stark gestiegenen RAM-Preise sind kein Argument dafür, notwendige Hardwareinvestitionen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Niemand weiß verlässlich, wie sich die Preise in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln werden.

Sie sind aber ein guter Anlass, starre Austauschzyklen zu hinterfragen.

Wenn ein Arbeitsplatz neue Hardware benötigt, weil Leistung, Sicherheit oder Zuverlässigkeit nicht mehr ausreichen, sollte er erneuert werden.

Wenn ein vorhandenes Gerät dagegen seine Aufgabe weiterhin zuverlässig erfüllt, kann eine Verlängerung von Garantie oder Servicelaufzeit die wirtschaftlich sinnvollere Entscheidung sein.

Gerade bei größeren Gerätebeständen entsteht daraus ein erheblicher Hebel: Statt beispielsweise 100 Systeme pauschal auszutauschen, werden vielleicht 60 tatsächlich erneuert und 40 kontrolliert weiterbetrieben. Das frei werdende Budget kann dort eingesetzt werden, wo es für Sicherheit, Produktivität oder Digitalisierung einen größeren Nutzen bringt.

Eine gute Hardwarestrategie bedeutet deshalb nicht, möglichst wenig neu zu kaufen. Sie bedeutet, zum richtigen Zeitpunkt in die richtigen Systeme zu investieren.

Genau dabei unterstützen wir bei Fox Romeo IT: Wir betrachten Hardware nicht nur als Beschaffungsthema, sondern als Bestandteil einer langfristigen und planbaren IT-Strategie. Wenn ein größerer Hardwareaustausch ansteht, prüfen wir gemeinsam, wo eine Neubeschaffung sinnvoll oder notwendig ist – und wo sich bestehende Systeme durch passende Garantie- und Servicekonzepte wirtschaftlich länger nutzen lassen.

Weitere praxisnahe Gedanken rund um IT-Strategie, Sicherheit und Digitalisierung veröffentlichen wir regelmäßig im Fox Romeo Blog und in unserem IT-Wissen. Unser Newsletter „Neues aus Digitalien“ fasst in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Beiträge daraus zusammen – kompakt für Entscheider, die bei IT und Digitalisierung informiert bleiben möchten, ohne dafür jeden Tag Fachmedien verfolgen zu müssen.

Frank Roebers

Gründer und Geschäftsführer bei Fox Romeo IT GmbH
Frank Roebers bringt über 30 Jahre IT-Erfahrung mit. Als ehemaliger CEO der SYNAXON AG leitete er Europas größtes IT-Kooperationsnetzwerk mit 300+ Mitarbeitern und einem Einkaufsvolumen von über einer Milliarde Euro. Mit der Tochter einsnulleins etablierte er professionelle IT-Betreuung zum Festpreis für KMU – das Unternehmen wuchs auf 120+ Mitarbeiter an 10+ Standorten. Heute entwickelt er mit Fox Romeo Management-Strukturen für mittelständische IT-Organisationen und fokussiert auf messbare IT-Prozesse als Wettbewerbsfaktor. Als Redner behandelt er Digitalisierung, Führung und KI.
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