Physical AI: Die neue Wette auf Roboter, die wirklich arbeiten

Von 26. November 2025Dezember 5th, 2025Blog4 Min. Lesezeit

Während Sprach-KI heute Texte schreibt und Büroarbeit verändert, investieren Tech-Pioniere wie Jeff Bezos, Elon Musk und Yann LeCun inzwischen Milliarden in ein ganz anderes Feld: Physical AI – also Künstliche Intelligenz, die nicht nur simuliert, sondern handelt. Gemeint sind Systeme, die Maschinen, Roboter und Geräte steuern, um reale Aufgaben zu übernehmen: Greifen, Montieren, Navigieren, Sortieren. Körperliche Arbeit wird damit zur nächsten Domäne der Automatisierung.

Bezos, Musk, LeCun: Drei Visionen, ein Ziel

Jeff Bezos meldet sich operativ zurück – mit Project Prometheus, das KI für physische Systeme wie Autos, Satelliten oder Produktionslinien entwickelt. Statt auf Text-Output setzt Prometheus auf KI, die aus realen Experimenten lernt. Die Frühphasenfinanzierung: 6,2 Milliarden Dollar – ein Signal, dass es Bezos ernst ist.

Elon Musk baut Tesla radikal um: Der humanoide Roboter Optimus ist laut Musk keine Spielerei, sondern soll künftig 80 % des Unternehmenswerts ausmachen. Erste Anwendungen laufen in Teslas eigenen Fabriken – langfristig sollen Millionen Einheiten gebaut werden, zunächst für einfache Aufgaben, später für den Alltag.

Yann LeCun, KI-Pionier und ehemaliger Meta-Chefwissenschaftler, gründet ein neues Unternehmen, um die Grundlagen von Physical AI zu schaffen. Sein Fokus: sogenannte Weltmodelle, die Maschinen ein tiefes Verständnis von Raum, Zeit, Kausalität und Interaktion vermitteln – nicht nur statistische Wahrscheinlichkeiten, wie heutige Sprachmodelle. Meta bleibt strategischer Partner.

Start-up-Boom in den USA

Neben den großen Namen entsteht ein ganzes Ökosystem von Robotik-Start-ups, das inzwischen Milliarden an Kapital anzieht:

Figure AI baut humanoide Roboter für Logistik und Fertigung. Bewertung: rund 40 Milliarden Dollar. Investoren: Microsoft, Nvidia, Bezos.

Physical Intelligence entwickelt eine KI-Plattform als „Gehirn“ für verschiedene Robotertypen. 600 Millionen Dollar frisches Kapital.

Skild AI arbeitet an einem universellen Steuerungsmodell für Robotik („Skild Brain“) – mit 300 Millionen Dollar von Softbank, Bezos und anderen.

Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, skalierbare KI-Bausteine für physische Aufgaben zu entwickeln – analog zur Cloud oder zu Betriebssystemen im Digitalbereich.

China steigt aggressiv ein

Auch China verfolgt Physical AI als strategisches Ziel – nicht zuletzt, um demografische Herausforderungen und steigende Löhne in der Industrie zu kompensieren. Der Staat fördert Roboter-Start-ups mit Milliarden, etwa Agibot für Montage und Qualitätskontrolle. Konzerne wie Xpeng investieren in humanoide Roboter wie „Iron“, während Unternehmen wie Ant Group auf Anwendungen in Gastronomie, Pflege und Tourismus setzen. Morgan Stanley prognostiziert, dass China bis 2050 weltweit die meisten humanoiden Roboter im Einsatz haben wird.

Warum jetzt?

Zwei Entwicklungen treiben den Boom:

Technologie ist reif: Sensoren, Motoren, Akkus – alles ist günstiger und robuster geworden.

KI kann steuern: Fortschritte in Machine Learning ermöglichen Maschinen, aus Erfahrung zu lernen – und sich in unstrukturierten Umgebungen zu behaupten.

Was das für Arbeit bedeutet

Studien gehen davon aus, dass bis 2050 Hunderte Millionen humanoide Roboter weltweit im Einsatz sind – zuerst in gefährlichen, monotonen oder körperlich fordernden Tätigkeiten:

Logistikzentren

Fertigungsstraßen

Pflegeeinrichtungen

Wartung, Reinigung, Transport

UBS rechnet bis 2035 mit einem Markt im zweistelligen Milliardenbereich – mit massiver Beschleunigung danach. Die wirtschaftlichen Implikationen sind enorm:

In alternden Gesellschaften könnten Roboter Arbeitskräftemangel lindern.

In Dienstleistungsbranchen ermöglichen sie Produktivitätsgewinne, die bisher nicht erreichbar waren.

Gleichzeitig drohen neue Verteilungskonflikte, wenn Löhne stagnieren, während KI-Wertschöpfung steigt.

Fazit:

Physical AI ist keine ferne Zukunft – sie ist bereits ein Milliardenmarkt im Aufbau. Die Schlacht um Roboter-Betriebssysteme, Steuerungsmodelle und humanoide Hardware hat begonnen. Wer hier führend wird, prägt die nächste industrielle Revolution. Doch wie immer gilt: Technik allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie Gesellschaften die Gewinne verteilen – und ob Arbeit durch KI nur ersetzt oder sinnvoll ergänzt wird.

Quelle: F.A.Z. – Jeff Bezos und Elon Musk holen die KI in die reale Welt