Vor über sieben Jahren kündigte Airbus an, Microsoft Office hinter sich zu lassen und auf Google Workspace umzusteigen – für damals rund 130.000 Mitarbeitende. Doch was als mutiger, zukunftsgerichteter Schritt geplant war, entpuppt sich als langwieriger und teilweise frustrierender Prozess. Bis heute ist die Migration nicht abgeschlossen, und viele Teams im Unternehmen arbeiten weiterhin parallel mit Microsoft-Tools.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Laut Airbus-Digitalchefin Catherine Jestin war der ursprüngliche Zeitplan von 18 Monaten rückblickend „extrem ambitioniert“. Inzwischen nutzen zwar mehr als zwei Drittel der inzwischen rund 150.000 Beschäftigten ausschließlich Google Workspace, doch insbesondere in Bereichen wie Finanzen, Recht, Beschaffung und Militär gibt es weiterhin große Abhängigkeiten von Microsoft – allen voran Excel.
Excel bleibt unverzichtbar, vor allem wegen technischer Einschränkungen bei Google Sheets: Manche Airbus-Tabellen enthalten bis zu 20 Millionen Zellen – eine Größenordnung, mit der Googles Tabellenkalkulation schlicht nicht umgehen kann. Auch das Änderungs-Tracking, etwa bei Verträgen, sei laut Jestin noch nicht auf Microsoft-Niveau, obwohl Google hier für 2026 volle Kompatibilität verspricht.
Hinzu kommt ein gravierendes Compliance-Problem: Militärisch klassifizierte Dokumente dürfen nicht in der Cloud gespeichert werden. Für diese Teams ist ein Wechsel zu Google Workspace schlicht ausgeschlossen – sie bleiben dauerhaft bei lokalen Microsoft-Lösungen.
Die Folge: Airbus arbeitet teils hybrid mit beiden Systemen – ein Umstand, der zu Kompatibilitätsproblemen führt und zusätzlichen Aufwand verursacht. Trotzdem hält der Konzern an seiner Google-Strategie fest. Google wiederum zeigt sich kooperativ: Die Weiterentwicklung von Sheets (größere Dateien, mehr Funktionen, bessere Rückverfolgbarkeit) hat für den Konzern hohe Priorität – nicht zuletzt, weil Airbus als großer Referenzkunde gilt, den man unbedingt halten will.
Trotz aller Herausforderungen: Airbus bleibt bei seinem Kurs. Der vollständige Bruch mit Microsoft ist zwar noch nicht geschafft – aber er bleibt erklärtes Ziel.
Quelle: The Register – Airbus is still trying to kick its Microsoft habit