Mercedes S-Klasse ohne Level 3: Warum hochautomatisiertes Fahren (vorerst) keine Zukunft hat

Von 4. Februar 2026Februar 15th, 2026News3 Min. Lesezeit
Mercedes - Klasse ohne Level

Mercedes-Benz war als einer der Vorreiter beim autonomen Fahren auf SAE-Level 3. Mit dem sogenannten Drive Pilot sollten S-Klasse und EQS zeitweise komplett autonom fahren, sodass der Fahrer in der Lage wäre, während der Fahrt andere Dinge zu tun. In der Praxis konnte das System selten greifen. Trotz langer Entwicklung und technologischen Fortschritts wird es daher im neuen S-Klasse-Facelift nicht mehr angeboten. Für Mercedes bedeutet das einen Strategiewechsel weg von Level 3-Technologie, die von der Kundenseite bislang ohnehin kaum angenommen wurde.

Was ist Level 3-Autonomie und wie funktionierte der Drive Pilot?

Autonomes Fahren wird nach SAE-Norm in Stufen von 0 bis 5 eingeteilt. Level 3 erlaubt es dem Fahrzeug, in bestimmten Situationen die volle Kontrolle zu übernehmen, während der Fahrer formell noch hinter dem Steuer sitzt, aber nicht aktiv fahren muss. Der Mercedes Drive Pilot sollte genau das leisten, auf Autobahnen bis 95 km/h folgen, lenken und bremsen, solange die äußeren Bedingungen ideal waren (klare Markierungen, gutes Wetter und vorausfahrender Verkehr).

Warum der Drive Pilot keinen Durchbruch schaffte

Obwohl Mercedes einen technologischen Meilenstein setzte, blieb der praktische Nutzen des Drive Pilot begrenzt. Die Einsatzbedingungen waren stark eingeschränkt, und viele Kunden fanden wenig Mehrwert in einem System, das häufig nicht aktiviert werden konnte. Zugleich war der Aufpreis für das System hoch und die Erwartungen an eine alltagstaugliche autonome Funktion nicht erfüllt. Zusätzlich wurde Mercedes intern kritisiert, bei Level-2-Assistenzsystemen im Vergleich zur Konkurrenz zurückzuliegen.

Auch technische und regulatorische Hürden spielten eine Rolle, neben aufwendigen redundanten Systemen braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen für „Eyes-Off“-Fahren. Dieser Bereich ist in vielen Märkten ohnehin noch unzureichend definiert.

Der Strategiewechsel: Fokus auf Level 2+ und künftige Systeme

Mercedes verzichtet im neuen Facelift der S-Klasse bewusst auf Drive Pilot und will stattdessen weiterentwickelte Assistenzsysteme bieten, die zwar nicht vollständig autonom fahren, dafür aber jederzeit verlässlich unterstützen. Systeme wie MB.Drive Assist Pro sollen künftig engmaschiger, zuverlässiger und für Kunden einfacher nutzbar sein. Bisher konnte Mercedes auf Level 2 weniger überzeugen als die Konkurrenz, es bleibt also spannend.

Zudem arbeitet Mercedes weiterhin an der Weiterentwicklung von Level 3-Funktionalität und daran, diese mit erweiterten Operational Design Domains (z. B. bis 130 km/h) attraktiver zu machen. Parallel verfolgen die Schwaben auch Level 4-Lösungen, etwa für spezielle Robotaxi- oder kommerzielle Einsätze.

Branchenkontext: Autonomie im Wandel

Der Rückzug vom Level 3-Drive Pilot ist kein isoliertes Phänomen: In der Branche zeichnen sich ähnliche Trends ab. Viele Hersteller setzen aktuell stärker auf ausgereifte Assistenzsysteme (Level 2+) oder forschen an echten autonomen Fahrfunktionen jenseits von Level 3. Die Akzeptanz bei Kunden, die technischen Herausforderungen und die rechtlichen Rahmenbedingungen machen die Einführung wirklich autonomer Systeme bislang schwierig.

Fazit

Mercedes’ Entscheidung, den Level 3 Drive Pilot nicht weiter anzubieten, zeigt, dass Innovation allein nicht ausreicht, wenn der praktische Nutzen im Alltag fehlt. Hochautomatisiertes Fahren bleibt ein anspruchsvolles Zukunftsfeld, mit vielen technischen, regulatorischen und nutzerseitigen Herausforderungen. Der Weg zurück zu ausgefeilteren Assistenzsystemen und die Vorbereitung auf Level 4 deuten darauf hin, dass Mercedes die nächste Entwicklungsstufe erst in einem Umfeld sehen will, in dem der tatsächliche Praxisnutzen klarer und breiter anwendbar ist.

Keine Experimente mehr im Serverraum – Starten Sie Ihren IT-Betrieb nach FlightOps-Standard.

IT-Ausfälle kosten nicht nur Nerven, sondern im Ernstfall Zehntausende Euro pro Stunde. Mit unserer FlightOps-Methodik bringen wir die Präzision und Fehlerkultur der Luftfahrt in Ihren IT-Betrieb. Weg vom „Helden-Admin“ und hektischer Fehlersuche, hin zu proaktivem Monitoring, strikten Checklisten und garantierter Stabilität.

Frank Roebers

Gründer und Geschäftsführer bei Fox Romeo IT GmbH
Frank Roebers bringt über 30 Jahre IT-Erfahrung mit. Als ehemaliger CEO der SYNAXON AG leitete er Europas größtes IT-Kooperationsnetzwerk mit 300+ Mitarbeitern und einem Einkaufsvolumen von über einer Milliarde Euro. Mit der Tochter einsnulleins etablierte er professionelle IT-Betreuung zum Festpreis für KMU – das Unternehmen wuchs auf 120+ Mitarbeiter an 10+ Standorten. Heute entwickelt er mit Fox Romeo Management-Strukturen für mittelständische IT-Organisationen und fokussiert auf messbare IT-Prozesse als Wettbewerbsfaktor. Als Redner behandelt er Digitalisierung, Führung und KI.
Mehr erfahren
Kontakt