Noch vor wenigen Jahren galt die vermeintliche „Unattraktivität“ kleinerer Unternehmen für Cyberkriminelle als legitime Ausrede. Doch 2025 ist klar: Diese Zeiten sind vorbei. Cyberangriffe treffen inzwischen gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit voller Wucht – nicht, weil sie besonders profitabel sind, sondern weil sie häufig unzureichend geschützt sind und sich dadurch leicht angreifbar zeigen. Das bestätigt der aktuellen BSI-Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2025 deutlich.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Der aktuelle BSI-Bericht zeigt, dass die Bedrohungslage in Deutschland auch im Berichtszeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025 auf einem hohen Niveau geblieben ist. Besonders alarmierend: rund 80 % aller gemeldeten Sicherheitsvorfälle betreffen Unternehmen aus dem KMU-Umfeld. Ein weiterer objektiver Gradmesser für die zunehmende Risiken ist die Zahl der bekannten Schwachstellen: Pro Tag wurden im Schnitt 119 neue Sicherheitslücken registriert – ein Anstieg von etwa 24 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese steigende Zahl zeigt, wie dynamisch und herausfordernd die Bedrohungslage geworden ist.
Warum KMU heute stärker betroffen sind
Im BSI-Bericht wird deutlich, dass die „Angriffsflächen“ deutscher Unternehmen – also die Summe aller Punkte, an denen Angreifer ansetzen können – im Zuge der Digitalisierung stetig wachsen. Viele KMU nutzen moderne Technologien, haben aber unzureichend gehärtete Systeme, veraltete Infrastrukturen oder keine systematische Absicherung. Das macht sie zu attraktiven Zielen für Tätergruppen – sei es für einfache Phishing-Kampagnen oder komplexere Ransomware-Attacken.
Zudem zeigt sich, dass viele Angriffe nicht mehr spektakulär oder hochkomplex sind, sondern auf Masse und Automatisierung setzen: Standardisierte Ransomware-Varianten oder automatisierte Identitätsdiebstähle werden gezielt auf Schwachstellen in Anmeldeprozessen oder schlecht geschützten Diensten angewendet. Die Folge: selbst vermeintlich „kleine“ Unternehmen werden solange angegriffen, wie es Aufwand und potenzieller Nutzen für die Täter im günstigen Verhältnis stehen.
Typische Angriffsvektoren heute
Die meisten Angriffe zielen auf bekannte Einfallstore:
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Phishing und Social Engineering: Gefälschte E-Mails und manipulierte Login-Seiten, die Mitarbeitende zur Preisgabe von Zugangsdaten verleiten.
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Ransomware & Datenverschlüsselung: Schadsoftware, die Systeme sperrt und Unternehmen erpresst – oft verbunden mit Datendiebstahl.
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Identitätsdiebstahl: Missbrauch gültiger Zugangsdaten, um sich lateral im Netzwerk zu bewegen oder Dritte zu täuschen.
Der BSI-Bericht zeigt: Diese Methoden sind nicht nur zahlreich, sondern in ihrer Effektivität gestiegen, weil Täter standardisierte Tools und automatisierte Angriffsprozesse verwenden.
Was KMU heute tun müssen
Angesichts dieser quantifizierten Risiken ist klar: „Zu klein“ schützt nicht mehr vor Cyberbedrohungen. Vielmehr müssen grundlegende Sicherheitsmaßnahmen zur Pflicht werden:
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Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA): schützt Konten auch bei kompromittierten Passwörtern.
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Regelmäßige Updates & Patch-Management: schließt bekannte Schwachstellen, bevor sie ausgenutzt werden können.
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Segmentierung und Rechte-Kontrolle: reduziert die Gefahr von lateralen Bewegungen im Netzwerk.
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Gezielte Sensibilisierung: Mitarbeitende müssen Angriffsvektoren wie Phishing erkennen und melden können.
Diese Bausteine helfen, die Angriffsfläche zu reduzieren und gleichzeitig die Resilienz zu stärken – ein zentraler Handlungsbedarf, den auch das BSI für 2026 hervorhebt. BSI
Fazit: Cyber-Risiken sind real – und messbar gestiegen
Die Zahlen aus dem BSI-Lagebericht 2025 zeigen eindeutig: Die Risiken für KMU sind signifikant gestiegen, und die meisten Angriffe treffen gerade diese Gruppe. Alleine der Anstieg der täglich entdeckten Schwachstellen um rund 24 % verdeutlicht, wie dynamisch die Bedrohung geworden ist. Zudem sind 80 % der gemeldeten Vorfälle auf KMU zurückzuführen – ein klarer Hinweis, dass Größe kein Schutz mehr bietet.
Das Fazit ist unmissverständlich: Cyberangriffe sind für KMU keine theoretische Gefahr mehr, sondern eine greifbare, messbare Realität. Wer heute nicht strategisch in IT-Sicherheit investiert, riskiert nicht nur Datenverluste, sondern auch wirtschaftliche Existenz und Vertrauen.