Technostress durch KI: Wenn Technologie zur psychischen Belastung wird

Von 3. Dezember 2025Dezember 5th, 2025Blog3 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz bringt nicht nur Effizienz und Automatisierung – sie hat auch eine Schattenseite, die kaum noch ignoriert werden kann: Technostress. Eine aktuelle Studie zeigt mit bedrückender Klarheit, dass KI im Arbeitsalltag messbar zu Angstzuständen und Depressionen führen kann. Der Zusammenhang ist eindeutig und betrifft nicht nur Einzelfälle, sondern ganze Berufsgruppen – unabhängig vom Sektor. Wer denkt, das sei bloß eine Übergangserscheinung, unterschätzt das Ausmaß des Problems.

Der Technostress ist kein diffuses Gefühl, sondern wissenschaftlich gut dokumentiert. Forscher wie Gao, Wang, Bringselius oder Ahmead zeigen seit Jahren, wie KI-Veränderungen psychische Reaktionen auslösen – angefangen bei Schock und Frustration bis hin zu depressiven Symptomen. Besonders bedrohlich wirkt die schleichende Veränderung unseres Verhältnisses zur Arbeit: Eine Welt, die vertraut war, verändert sich so schnell, dass viele das Gefühl haben, den Anschluss zu verlieren. Das wird zur psychischen Belastung – und hat Auswirkungen auf Produktivität, Wohlbefinden und Selbstwert.

Besonders betroffen sind junge Menschen und Frauen. Während die Jüngeren als „digital natives“ eigentlich vertraut mit Technologie sein sollten, fühlen sie sich im privaten Leben am stärksten beeinflusst. Frauen wiederum erleben häufiger Angst, durch KI ersetzt zu werden oder nicht mit der Technologie mithalten zu können. Die Studie macht deutlich: Die Technologisierung verstärkt bestehende Ungleichheiten – sie gleicht nichts aus, sondern macht Unterschiede sichtbarer und schmerzhafter.

Technostress hat viele Gesichter. Die wichtigsten Stressfaktoren heißen Techno-Overload (Überlastung durch Geschwindigkeit), Techno-Invasion (ständige Erreichbarkeit), Techno-Komplexität (ständiges Lernen), Techno-Unsicherheit (Jobverlust) und Techno-Ungewissheit (ständiger Wandel). Diese Faktoren korrelieren nicht nur mit emotionaler Erschöpfung, sondern können langfristig zu Resignation und kognitivem Rückzug führen – einem Zustand der inneren Kündigung.

Besonders perfide ist dabei die Doppelrolle der KI: Sie kann die Produktivität steigern und gleichzeitig die Angst verstärken. Und genau das macht sie so schwer zu greifen. Die Lösung liegt nicht im Rückzug, sondern im bewussten Umgang: Es braucht klare Rollenverteilungen zwischen Mensch und Maschine, eine Unternehmenskultur, die präventiv gegen Technostress wirkt, und vor allem ein Verständnis dafür, wie Technologie uns beeinflusst. Denn wer die Mechanismen versteht, kann auch gegensteuern.

Die Studie benennt zwar einige Schutzfaktoren, bleibt dabei jedoch vage. Das öffnet Raum für eine wichtige Anschlussfrage: Welche konkreten Maßnahmen helfen gegen Technostress? Hier braucht es dringend weitere Forschung und vor allem mutige Beispiele aus der Praxis. Denn klar ist: Diese Entwicklung ist kein Zukunftsszenario – sie findet längst statt.

Quelle: DUP-Magazin