Wenn KI zum Kündigungsgrund wird: Fast 50.000 Jobs in den USA fielen 2025 der Automatisierung zum Opfer

Von 26. November 2025Dezember 5th, 2025Blog4 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur Innovationstreiber – sie wird zunehmend auch zum Jobkiller. In den USA wurden im Jahr 2025 bereits 48.414 Entlassungen direkt mit dem Einsatz von KI begründet, davon über 31.000 allein im Oktober. Das zeigt eine neue Erhebung der Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas. Damit ist jede fünfte angekündigte Entlassung im Oktober offiziell mit KI in Verbindung gebracht worden – Tendenz steigend.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig – und nicht immer eindeutig. Während einige Unternehmen offen angeben, mit KI Personal abbauen zu können, vermuten Kritiker einen strategischen PR-Einsatz des Themas: eine Art „AI-Washing“, um Kürzungen unter dem Deckmantel technologischer Effizienz zu rechtfertigen.

Beispiel Lufthansa: Der Konzern kündigte an, bis 2030 rund 4.000 Verwaltungsstellen zu streichen – eine Maßnahme, die auch mit dem zunehmenden Einsatz von KI begründet wurde. Ähnlich äußerten sich ING, Amazon, Krafton und andere.

KI als Kostenargument – und als Druckmittel

Zunehmend nutzen Unternehmen KI nicht nur zum tatsächlichen Automatisieren von Arbeitsprozessen, sondern auch als Legitimation für tiefgreifende Einsparungen. Laut IBM etwa ließen sich mit KI-Agenten bis Ende 2025 rund 4,5 Milliarden Dollar einsparen – unter anderem durch den Wegfall hunderter HR-Stellen.

Amazon kündigte im Oktober an, 14.000 Stellen abzubauen. Zwar wurde zunächst erklärt, dies sei nicht direkt KI-getrieben, sondern der Abbau bürokratischer Überkapazitäten – doch gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in KI-Infrastruktur. Ähnliches ist bei Microsoft, Oracle und anderen Tech-Riesen zu beobachten: Während klassische Stellen abgebaut werden, fließen Milliarden in Rechenzentren, Chips und KI-Talente.

Welche Jobs betroffen sind

Betroffen sind vor allem repetitive, volumenstarke Tätigkeiten:

Kundenservice (z. B. per KI-Chatbots)

einfache HR-Prozesse

Auftragsabwicklung und Terminplanung

Vertragsbearbeitung

Support- und Assistenzfunktionen

Firmen wie C.H. Robinson meldeten z. B. einen 10,8 % Rückgang der Beschäftigtenzahl, weil man durch Automatisierung das Wachstum des Auftragsvolumens vom Personalwachstum entkoppeln konnte.

KI als Einstellungshürde

Auch ohne direkte Entlassungen verändert KI die Jobwelt:

Neueinstellungen werden gestrichen oder verzögert,

Teams müssen nachweisen, warum eine Aufgabe nicht durch KI erledigt werden kann (z. B. bei Shopify),

Führungskräfte wie Bill McDermott (ServiceNow) loben KI-Agenten dafür, dass sie rund um die Uhr arbeiten – „ohne Mittagspause, ohne Gesundheitskosten“.

Zwischen Euphorie und Realität

Trotz der weitreichenden Ankündigungen ist die Realität komplexer. Viele Unternehmen wissen noch gar nicht genau, wie KI produktiv eingesetzt werden kann. Werkzeuge und Prozesse entwickeln sich laufend weiter. Noch herrscht Unsicherheit – sowohl über das tatsächliche Potenzial der Tools als auch über ihren sinnvollen Einsatz im Alltag.

Tom Case von Atticus Growth Partners bringt es auf den Punkt: „Die Werkzeuge werden besser, aber das Playbook ist noch nicht geschrieben.“

Der Ausblick: Weniger Menschen, mehr KI

Goldman Sachs prognostiziert, dass Unternehmen im kommenden Jahr 4 % weniger Personal beschäftigen werden – nur wegen KI. In drei Jahren könnte diese Zahl auf 11 % steigen. Das Investmenthaus selbst plant bereits weitere Stellenstreichungen, um „voll vom Potenzial der KI zu profitieren“.

Was lange als Zukunftsmusik galt, wird nun Realität: KI ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch ein Hebel zur Neugestaltung von Belegschaften – oft zu Lasten der Beschäftigten. Für die Wirtschaft beginnt eine neue Phase der Automatisierung, deren soziale und politische Folgen sich gerade erst abzeichnen.

Quelle: Los Angeles Times: AI cited in nearly 50,000 job cuts this year as tech giants accelerate automation